VERBAND DER SPORTBOOT- UND SCHIFFBAU-SACHVERSTÄNDIGEN

Gebrauchtbootkauf - was ist zu beachten? - Wichtige Tipps, die den Bootskauf erleichtern!

Vor allem in der Winterzeit wittert der ein oder andere Wassersportler ein günstiges Schnäppchen auf dem Gebrauchtbootmarkt. So werden diverse Gebrauchtbootmagazine und Internetportale sorgfältig studiert, um sich dort einen Überblick über das Angebot zu verschaffen und Informationen zu sammeln. Was aber ist wirklich wichtig beim Gebrauchtbootkauf? Muss, wie immer häufiger empfohlen wird, tatsächlich ein Bootssachverständiger eingeschaltet werden, damit aus dem freudigen Kaufereignis keine nervenaufreibende Odyssee wird?

Der wohl größte Vorteil beim Kauf eines gebrauchten Bootes gegenüber einem Neuboot liegt sicherlich im günstigeren Anschaffungspreis. Hinzu kommt, dass ein Gebrauchtboot oft mit Zubehör verkauft wird, was weitere teure Zusatzkosten ersparen kann. Der Wertverlust des Bootes ist wesentlich geringer als beim Neuboot und die „Kinderkrankheiten“ sind überstanden. Das Boot ist erprobt und alle Mängel, so sagt es zumindest der Verkäufer, erkannt und aufgehoben. Dies zu den positiven Seiten des Gebrauchtbootkaufs. Was sollte man aber darüber hinaus beachten, wenn der Bootskauf reibungslos erfolgen soll?

Wichtige Vorentscheidungen! Bereits vor dem Bootskauf sollten einige grundlegende Vorentscheidungen getroffen werden. Es sollte gut überlegt sein, welchen Bootstyp man wählt und nicht ins Blaue entschieden werden, nur weil gerade der Hochglanzprospekt mit dem schnellen Motorboot vor einem liegt. Der Käufer sollte sich u.a. folgende Fragen stellen:

  • In welchen Gewässern/Fahrtgebieten möchte ich vorwiegend mein Boot nutzen?
  • Wie viele Leute sollen an Bord mitfahren können?
  • Habe ich bereits Erfahrung mit einem bestimmten Bootstyp?
  • Welches Budget möchte ich ansetzen?
  • Wie soll das Boot finanziert werden? – Durch eine Bank, was heute nicht mehr ganz so einfach ist, oder durch den Verkauf des bisherigen Bootes?
  • Welche Qualifikationen/Führerscheine habe ich zum Führen des Bootes vorzuweisen?
  • Wie lang werden meine Bootstouren durchschnittlich sein und welchen Komfort benötige ich dafür an Bord?

Alle Fragen beantwortet? Dann geht es an die Auswahl des Bootes. Fest zu halten bleibt, dass die Vorlieben und somit die Vorentscheidungen vom Käufer allein gefällt werden müssen.

Über Fachmagazine, Internetportale, Printanzeigen, Makler und Vereine erhält man eine große Angebotsvielfalt. Wie komme ich aber an eine realistische Werteinschätzung des Bootes? Um eine erste Preisvorstellung zu erhalten, gibt es die Möglichkeit in der Bootsbewertungsliste „Marine“ nachzuschlagen. Diese ist ähnlich der Schwacke-Liste für Autos, zu beziehen über www.schwacke.de . Weiter sollten mehrere Angebote des gleichen Bootstyps verglichen werden.

Unterstützung durch Bootssachverständige! Sollte das „Wunschobjekt“ dann aber gesichtet worden sein und der Wille zum Kauf ist kaum noch zu bändigen, sollte ein Fachmann beim Kauf zur Seite stehen. Ein Gebrauchtboot scheint auf den ersten Blick oft günstiger als ein neues Boot. Kauft man jedoch ohne Prüfung der technischen Details und des Bootszustandes, kann der Gesamtpreis aus Kauf und Folgekosten gut und gerne das Budget überschreiten.

Vor der Kaufentscheidung muss vor Ort geprüft werden, in welchem Zustand das Boot ist. Hier reicht nicht nur ein kurzer Blick auf das oft gut inszenierte Foto in der Anzeige. Darüber hinaus sollte unbedingt eine Probefahrt erfolgen und das Boot auch aus dem Wasser genommen werden. Bei der Besichtigung können kleine Details, die der Laie nicht bemerkt, von großer Bedeutung für den Kauf sein. Einige schwer erkennbare Mängel können sein:

  • Osmosebefall
  • Verdeckte Auflaufschäden
  • Lagerspiel in der Ruderanlage
  • Propellerschäden
  • Getriebeschäden
  • Schäden am Mastprofil und im stehenden Gut

Die vorgenannten Punkte sollten unbedingt durch einen Bootssachverständigen bewertet werden. Auch wenn dieser kein kostenloses Gutachten erstellt, so kann er doch vor einem eventuellen Fehlkauf schützen und oft bares Geld sparen. Der Sachverständige hat vor allen Dingen für die Beurteilung des Angebotspreises weitere Vergleichsfaktoren, als nur die diversen Angebote anderer Verkäufer. Bei den häufig sehr hoch angesetzten Wunschverkaufspreisen der Verkäufer kann dies für die Preisverhandlungen von großer Bedeutung sein. Ferner ist der Sachverständige auch der beste Verhandlungspartner, wenn es darum geht, den Preis aufgrund von Mängeln nach unten zu korrigieren. Wer den Kauf eines Gebrauchtbootes wirklich bedenkenlos vollziehen möchte, ist mit der Investition für einen Bootssachverständigen gut beraten. 

Der Kaufvertrag. Steht nach allen Prüfungen die Kaufentscheidung fest, so muss ein Vertrag geschlossen werden.
 Hierbei sollten folgende Punkte unbedingt im Kaufvertrag enthalten sein:

  • Name und Adresse des Käufers bzw. des Verkäufers (Vorlage des Personalausweises)
  • Eignernachweis
  • Tatsächlicher Kaufpreis
  • Art der Zahlungsabwicklung
  • Genaue Beschreibung des Bootes, d. h. mit Aufführung der Rumpf- und Motornummer
  • Eventuelle Bootsscheine und Registrierungen
  • Ggf. CE-Konformitätserklärung
  • Genauer Lieferumfang mit Ausrüstung- und Ausstattungsmerkmalen
  • Übergabeort und Zeitpunkt
  • Gewährleistungsansprüche
  • Mehrwertsteuernachweis

Darüber hinaus sollte ein Boot niemals ohne Slip- oder Travellifttermin gekauft werden. Die Übergabe des Kaufpreises sollte keinesfalls vor Abschluss des Kaufvertrages erfolgen und ist über ein Treuhänderkonto für beide Parteien ein sicheres Unterfangen.

Wer diese Dinge beachtet und dazu noch einen Bootssachverständigen einschaltet, der kann beruhigt mit seinem neu erworbenen Boot in die Wassersportsaison starten.