Verband der Sportboot- und Schiffbau-Sachverständigen

Gebrauchtbootkauf

Seit dem 16. Juni 1998 müssen Boote und Yachten, die erstmals innerhalb der EU in Verkehr gebracht und in Betrieb genommen werden, über ein CE-Zeichen verfügen. Was dies genau bedeutet und warum Gebrauchtbootkäufer darauf achten müssen, darüber besteht nach wie vor viel Unklarheit.

Von Jürgen Tracht

Eines vorab: das CE-Zeichen ist kein Qualitätsmerkmal. Es bescheinigt ausschließlich die Übereinstimmung der Yacht mit den vorgeschriebenen Bau- und Ausrüstungsvorschriften. Boote zwischen 2,5 m und 24 m Bootslänge, die erstmalig in der EU in Verkehr gebracht und in Betrieb genommen werden, müssen der 10. Verordnung zum Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (GPSG) entsprechen. Im Klartext heißt dies, die Yacht muss den EU-weit harmonisierten Bau- und Ausrüstungsvorschriften genügen. Diese Regelung gilt sowohl für neue als auch für gebrauchte Boote.

Konformitätserklärung prüfenDokumentiert wird dies durch die vom Hersteller oder Importeur unterzeichnete Konformitätserklärung. Die Konformitätserklärung muss im „Handbuch für Schiffsführer“ enthalten sein. Bitte achten Sie darauf, dass Ihnen das Handbuch in deutscher Sprache mit der Konformitätserklärung übergeben wird und stellen Sie vor dem Kauf sicher, dass Ihr Boot über ein CE-Zeichen verfügt.

Herkunft der Yacht prüfen 

Boote und Yachten, die vor dem 16.6.98 innerhalb der EU in Verkehr gebracht und in Betrieb genommen wurden, benötigen also kein CE-Zeichen (Konformitätserklärung). Allein der Blick auf das Baujahr verschafft aber keine Sicherheit. Viele Gebrauchtboote, die auf dem deutschen Markt angeboten werden, haben den Wirtschaftsraum der EU noch niemals „betreten“, wurden also innerhalb der EU noch nicht in Verkehr gebracht und in Betrieb genommen, obwohl sie vor 1998 gebaut und ausgeliefert wurden. Beispiele hierfür sind Yachten, die bisher in Nicht-EU-Staaten (Drittländern), also z.B. in Kroatien oder den USA ihren Liegeplatz hatten. Vorsicht ist also bei Booten, die aus Drittländern stammen, durchaus angebracht. Natürlich können dies interessante Angebote sein. Man muss aber wissen, dass in diesen Fällen eine nachträgliche Zertifizierung erforderlich wird. Näheres hierzu zu einem späteren Zeitpunkt. Beachten Sie auch, dass Yachten aus Drittländern, die nach 1998 gebaut wurden, nicht unbedingt ein CE-Zeichen vorweisen können. Häufig wurden diese Yachten z.B. für den amerikanischen Binnenmarkt gebaut, waren niemals für den Export vorgesehen und erfüllen damit auch nicht die vorgeschriebenen Normen in Europa. Auch in diesen Fällen wäre nach dem Kauf eine Nachzertifizierung fällig. Zusammenfassend also der Rat: es muss zweifelsfrei geklärt werden, ob die gebrauchte Yacht ein CE-Zeichen hat oder benötigt.

Nachzertifizierung kann teuer werdenSollte der Kauf eines Gebrauchtbootes in Frage kommen, das bisher seinen Liegeplatz in einem Drittland hatte und innerhalb der EU noch nicht in Verkehr gebracht und in Betrieb genommen wurde, muss die Yacht nachträglich zertifiziert werden.

Dazu muss ein akkreditiertes Zertifizierungsunternehmen (Benannte Stelle) eingeschaltet werden. Das Boot muss besichtigt werden und ein „Post Construction Assessment“ durchlaufen. Gegebenenfalls sind Änderungen am Boot notwendig. Dieses vorgeschriebene Verfahren ist mit nicht unerheblichen Kosten verbunden. Die für das Assessment notwendigen technischen Unterlagen müssen vom Käufer zur Verfügung gestellt werden. Außerdem besteht die Verpflichtung, das „Handbuch für Schiffsführer zu erstellen bzw. erstellen zu lassen. Eine Menge Aufwand also. Klären Sie also vor dem Kauf, mit welchen Kosten bei einer Nachzertifizierung zu rechnen ist. In aller Regel stehen die Kosten bei Booten unter 7,5 m Bootslänge in keinem vernünftigen Verhältnis zum Schiffswert.

Ignorieren ist keine Lösung

Nun mag sich mancher denken: „Wo kein Kläger, da kein Richter“. Wem soll es schon auffallen, ob die Yacht den CE-Anforderungen genügt. Klar, gesetzliche Bestimmungen kann man auch ignorieren. Schließlich tun wir das im Straßenverkehr täglich. Oder halten Sie sich an alle Straßenverkehrsregeln? Wer so denkt, sollte aber zumindest die Konsequenzen kennen. Gemäß § 4a der Binnenschiffs-Untersuchungsordnung darf ein Boot ohne Konformitätserklärung nicht in Betrieb genommen werden. Bei Verstößen kann das Boot an die Kette gelegt werden und es drohen empfindliche Bußgelder. Im Schadenfall kann die Versicherung eine Regulierung ablehnen. Eine Yacht, die für den Verkehr nicht zugelassen ist, kann schließlich auch nicht versichert sein.

Ein Weiterverkauf von Booten ohne CE-Zeichen ist ebenfalls schwierig. Man wird wohl damit rechnen müssen, dass der nächste private Käufer danach fragt. Eine Inzahlungnahme durch einen Händler ist so gut wie ausgeschlossen. Jeder Händler wird sich hüten, eine Yacht ohne CE-Zeichen weiter zu verkaufen. Das Boot würde damit mangelhaft und der Kunde könnte seine kaufvertraglichen Rechte geltend machen. Bis hin zur Rückgabe der Yacht. Insgesamt also gute Gründe das Thema CE ernst zu nehmen.

 

Köln, im Mai 2006