Verband der Sportboot- und Schiffbau-Sachverständigen

Gebrauchtbootverkauf – Was gilt es als Verkäufer zu beachten?

So manche „Eigner-Bootsbeziehung“ endet auch zeitgleich mit der jeweiligen Saison. Die Gründe sind vielschichtig und reichen vom ewig fehlenden Meter Bootslänge bis hin zur Aufgabe des Hobbys. Mit dem Entschluss zum Verkauf des guten Stückes stellen sich dem zukünftigen Exeigner jedoch auch einige Fragen. Was ist mein Boot eigentlich wert? Wie und wo soll inseriert werden und was für Risiken bestehen unter Umständen durch mangelnde Kenntnis der Thematik?
 
Bereits bei der Preisfindung weichen die Vorstellungen des stolzen Besitzers vielfach von der harten Realität des Marktes ab. Ein reeller Preis ist häufig nur schwer zu ermitteln. Nicht jede im Familienkreis erbrachte Arbeitstunde kann auch als Meisterstunde berechnet werden. Das gleiche gilt für etwaige Ausrüstungsgegenstände, die vielleicht nur noch über einen ideellen oder gar antiquarischen Wert verfügen. Zur Preisfindung kann ein Blick in das Internet oder einschlägige Fachzeitschriften zwar zunächst gewisse Hilfestellungen geben. Der Nutzwert variiert jedoch stark in Abhängigkeit von eigenen Umbauten am Boot sowie den generellen Stückzahlen einer Produktion. Ein Wertgutachten oder auch eine Verkaufsberatung kann hierbei Klarheit über den Wert, aber auch den Zustand bringen. Sowohl für den Verkäufer, als auch für den spätern Käufer. 

Wenn die Preisfrage geklärt ist, steht noch die Wahl eines geeigneten Forums aus. Hierbei sollte die Verhältnismäßigkeit die treibende Kraft sein. Während sich das 3m Dingi mit Außenborder ohne weiteres über einen Aushang im ortsansässigen Club an den Mann bringen lässt, ist für eine Yacht im fünfstelligen Preissegment schon mehr Aufwand nötig. Fachzeitschriften bieten vielfach den Vorteil einer gut definierten Zielgruppe. Nachteilig sind hingegen der häufig hohe Anzeigenpreis sowie die eher kurzfristige „Lebensdauer“ der Anzeige in der jeweils aktuellen Ausgabe. Neben Fachzeitschriften erfreuen sich auch reine Anzeigenmagazine großer Beliebtheit. Die Kosten für die Kleinanzeige sind in der Regel gering, die Leser bestehen quasi per Definition aus Kaufinteressenten.
Das Internet bietet neben reinen Anzeigenmagazinen den Vorteil einer meist kostengünstig bis kostenlos zu platzierenden Anzeige inklusive einiger Abbildungen. Darüber hinaus ist der Aktionsradius mitunter weltweit. Ein weiterer Vorteil des Netzes als Verkaufsplattform besteht in einer gewissen Anonymität. Lässt man Interessenten zunächst nur per email in seine Nähe, kann sich bereits hier schon zeigen ob es sich um einen ernsthaften Kaufinteressenten oder einen „Probeschlagsnomaden“ handelt. In Abhängigkeit von Kaufpreis, der eigenen Zeit und nicht zuletzt auch der Entfernung bis zum Heimathafen der Yacht kann auch der Gang zum Yachtmakler eine durchaus rationale Entscheidung sein. 

Die Beurteilung des Zustandes in Bezug auf mögliche Sicherheitsrisiken auch für den Nachbesitzer ist extrem schwierig. Hierbei gibt es sowohl eine technische als auch eine juristische Komponente. Insbesondere wenn Änderungen an der Yacht vorgenommen wurden, kann das unter Umständen weitreichende Folgen haben. Während Käufer und Verkäufer im Kraftfahrzeuggewerbe vielfach sehr sensibilisiert für diese Themen sind, scheint diese Erkenntnis in der Bootsbranche bisher weniger Einzug gehalten zu haben. Das fängt bereits mit den entsprechenden Unterlagen an. Viele Eigner sind sich beispielsweise nicht bewusst, dass das Eignerhandbuch des Herstellers ein wichtiges Dokument im Zusammenhang mit der CE-Zertifizierung darstellt. Unter anderem ist darin die Konformitätserklärung des Bootsherstellers enthalten, die mit dem KFZ-Brief vergleichbar ist. Auch größere Umbauten oder scheinbare Verbesserungen an der Bootsstruktur oder technischen Systemen können in einem späteren Schadensfall durchaus rechtliche Fragen aufwerfen.Gleiches kann selbstverständlich auch für das sträfliche Vernachlässigen von Bereichen oder Systemen gelten. Grundsätzlich übernimmt der Verkäufer zwar keine Gewährleistung es darf allerdings auch kein bekannter Mangel bewusst verschwiegen werden. Bei eigener Unsicherheit oder auch ab einer gewissen Bootsgröße ist es durchaus sinnvoll die Verkaufsabwicklung von einem kompetenten Sachverständigen begleiten zu lassen. Zwar gilt auch hier sicherlich der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit, dennoch sind die Beratungskosten im Vergleich zu den betrachteten Kaufpreisen oder auch möglichen Folgekosten eher gering.