Verband der Sportboot- und Schiffbau-Sachverständigen

Meister-Qualität im Sinkflug?

„Die Qualität der Meisteraufbildung im Bootsbauer-Handwerk sinkt.“, stellt Detlev Löll Vorsitzender des Verbandes der Sportboot-und Schiffbau-Sachverständigen e.V. (VBS) und selbst Bootsbaumeister fest. Eine provokante These, die zu entsprechenden Reaktionen der Landesinnung des Boots- und Schiffbauer-Handwerkes in Schleswig-Holstein geführt hat.

Detlev Löll stützt seineThese im Wesentlichen auf zwei Argumente. Zum einen offeriere die Handwerkskammer Lübeck die so genannte „Meisterprüfung in Klausur“, also die Anfertigung eines Bootsfragmentes unter Aufsicht innerhalb von 40 Zeitstunden und verzichtete damit auf das in der Vergangenheit geforderte „Meisterstück“. „Der Nachweis, dass ein angehender Bootsbaumeister tatsächlich in Lage ist, ein Boot zu entwerfen, eine Arbeitsbeschreibung anzufertigen, Materialliste und Kalkulation zuerstellen und das Boot fachgerecht zu bauen, entfällt damit.“, so Löll. Zum anderen gestatte die Handwerksordnung jedem 25-Jährigen Teilnehmereiner überbetrieblichen Ausbildungsmaßnahme die Zulassung zur Meisterprüfung. „Damit können Meister einen Werftbetrieb führen, ohne auf ausreichende praktische Erfahrungen zurückgreifen zu können.“

Klausurprüfung oder Meisterstück


Stimmt so nicht, erwidert Detlev Staack, Vorsitzender des Meisterprüfungsausschusses im Bootsbauerhandwerk der Handwerkskammer Lübeck. Angehende Meister hätten die Wahl, ob sie die Meisterprüfung in Klausur ablegen und einen Teil eines Bootes nach Vorgabe anfertigen oder wie in der Vergangenheit ein Meisterstück anfertigen wollten. Außerdem sieht Detlef Staack in der Klausurprüfung ein gutes Angebot, die fachlichen Fähigkeiten unter praxisnahen und zeitgemäßen Bedingungen unter Beweis zu stellen. Darüber hinaus könne die Eigenorganisation der Kandidaten und der Ablauf der Arbeitsgänge besser bewertet werden, da die Arbeiten unter Aufsicht ausgeführt würden.

Die bei der Meisterprüfung in Klausur gegebene Aufsicht dürfte wohl der springende Punkt sein. Die Anfertigung eines Meisterstücks, wie früher üblich, entzieht sich naturgemäß genauerer Kontrolle. Ein Schaumeister begleitete die Anfertigung und protokollierte stichprobenhaft den Entstehungsprozess. Seine Hand dafür ins Feuer legen, dass der Meisteraspirant nicht fremde Hilfe in Anspruch genommen hat, konnte er nicht. Kontrollierte Prüfungsbedingungen sehen zweifellos anders aus. Ob der Prüfling allerdings in Lübeck wirklich die Wahlfreiheit zwischen beiden Prüfungsmöglichkeiten hat, ist zumindest fragwürdig. Dazu setzt die Handwerkskammer Lübeck zu offensichtlich auf ihr bevorzugtes Prüfungskonzept.

Meister ohne Praxis

Bei der Frage zur Zulassung zur Meisterprüfung sieht sich die Handwerkskammer nicht in der Pflicht: „(...) es ist nicht mehr zulässig (.),berufsspezifische Gesellenjahre als Voraussetzung für die Zulassung zur Meisterprüfung zu verlangen.“, betont Detlev Staack und verweist damit auf den Gesetzgeber. Gesellenprüfung also ist Pflicht, nicht aber langjährige praktische Erfahrung. Das sich daraus ein Problem ergeben kann, liegt auf der Hand. Praktische Erfahrungen, die die Grundlage jeder qualifizierten Handwerkstätigkeit ausmachen, fehlen zum Teil und dies schlägt sich in häufigeren Reklamationen nieder, die von den Gutachtern des VBS im täglichen Geschäft dann bearbeitet werden.

Prüfungspraxis wird interpretiert


Unbefriedigend sind auch die unterschiedlichen Verfahrensweisen der Prüfungsausschüsse. Während Lübeck die Prüfung in Klausur seit vielen Jahren erlaubt und den Meisterschülern eine Aufgabe (Bootsfragment) zuweist, bestehen andere Handwerkskammern auf dem bisherigen Konzept. Hintergrund ist offensichtlich eine unterschiedliche Interpretation der Meisterprüfungsordnung.

H.-G. Portmann, Schulleiter des Schiffer-Berufskollegs Rhein in Duisburg: „ Auch bei uns finden Meisterprüfungen unter Klausurbedingungen statt. Der Prüfling entscheidet sich für einen Werkstoff, reicht ein Konzept ein und muss dann unter Aufsicht das komplette Boot herstellen. Die Herstellung eines Bootsfragmentes reicht nicht aus.“

Tatsächlich gibt die Bootsbauermeisterprüfungsordnung die Herstellung von Teilbereichen eines Bootes nicht her. Verlangt wird die Ablieferung einer Meisterprüfungsarbeit und zusätzlich einer Arbeitsprobe. Als Meisterprüfungsarbeit für die Bereiche Holz-, Kunststoff- und Metallbootsbau wird jeweils ein kompletter Bootskörper verstanden. Möglich ist alternativ allerdings die Reparatur eines Schadens mit einem Ausmaß von mindestens 0,8 qm, in dem komplette Verbände auszutauschen sind. In jedem Fall ist ein eigener Entwurf, Arbeitsbeschreibung, Materialliste und Kalkulation Pflicht. In Lübeck beschränkt man sich offensichtlich auf ein Zwischending zwischen Meisterprüfungsarbeit und Arbeitsprobe. Von einer Beaufsichtigung der Meisterprüfungsarbeit findet sich übrigens in der Prüfungsordnung kein Wort. Wenn gleich dies im Sinne vergleichbarer Prüfungsbedingungen sinnvoll erscheint.

Die Einheitlichkeit der Prüfungsanforderungen wird durch diese unterschiedlichen Prüfungskonzepte in Frage gestellt. Auch wenn 90% der Bootsbaumeister in Lübeck ausgebildet werden.

Vermutlich gibt es kaum ein Handwerk, das sich traditioneller gibt als der Boots- und Schiffbau. Allen Beteiligten und allen voran den in Ausbildung und Prüfung involvierten Bootsbaumeistern darf man unterstellen, dass sie ein hohes Interesse an einer qualitativ hochwertigen Meisterausbildung haben. Wie dies unter veränderten gesetzlichen Bedingungen gewährleistet werden kann, sollte in einem offenen und unvoreingenommenen Diskurs geklärt werden. In diesem Zusammenhang ist es bedauerlich, dass der Vorsitzende des Meisterprüfungsausschusses der Handwerkskammer Lübeck an einem Round-Table-Gespräch in der Redaktion mit allen Beteiligten nicht teilnehmen wollte.