VERBAND DER SPORTBOOT- UND SCHIFFBAU-SACHVERSTÄNDIGEN

Den richtigen Sachverständigen finden oder selbst einer werden - Lehrgänge und Zertifikate die viel versprechen, aber nicht immer alles halten

Das Arbeitsgebiet des Boots- und Yachtsachverständigen ist in den letzten Jahren für viele Branchenteilnehmer aber auch Quereinsteiger besonders aus dem KFZ Bereich ein interessantes Betätigungsfeld geworden. Entweder als zweites Standbein oder aber eine gänzliche Neuorientierung sind oftmals die Beweggründe, sich als Gutachter selbstständig zu machen. Diesen Trend haben auch viele Weiterbildungsorganisationen mitbekommen und bieten daher oftmals verlockende, aber auch teilweise zweifelhafte Ausbildungsangebote an.

An Gutachter in der Bootsbranche werden hohe Anforderungen gestellt. Das Themengebiet ist sehr komplex und erfordert viel Fachwissen, das in der Regel erst durch jahrelange Berufserfahrung gesammelt werden kann. Im Gegensatz zum Kraftfahrzeug sind Boote oftmals Einzelanfertigungen und haben viele individuelle Komponenten. Eine Ausbildung zum Bootssachverständigen gibt es nicht, jedoch kommen diverse Organisationen vermehrt auf den Gedanken, solch eine im Schnellverfahren anzubieten. Eine Marktlücke, die sich scheinbar lohnt, aber aus Sicht des VBS e.V. nicht professionell bedient wird. Der Vorstand des VBS e.V. sieht diese Entwicklung kritisch und setzt zukünftig verstärkt auf Aufklärungsarbeit.

In Deutschland ist die Rechtslage die, dass alle Personen mit entsprechenden persönlichen und fachlichen Voraussetzungen, die über Fachkenntnis und Sachkunde sowie Berufserfahrung verfügen, als Sachverständige tätig werden können. Die Berufsbezeichnung „Sachverständiger“ ist nicht geschützt, im Gegensatz zur Bezeichnung „öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger“, deren missbräuchliche Verwendung strafbar ist. Der Einstieg in die Gutachtertätigkeit ist somit leicht gemacht. Um als Auftraggeber die Spreu vom Weizen trennen zu können, bedarf es daher aussagekräftiger und verlässlicher Qualitätsmerkmale.

Organisationen die damit werben, einen Interessenten in drei Tagen zum Sachverständigen auszubilden sind jedoch genau der falsche Weg, um den Markt vor schwarzen Schafen zu schützen und dienen keinesfalls als Qualitätsmerkmal bei der Gutachterauswahl. Ein Besuch solcher Fortbildungen als sicherer Einstieg in die Sachverständigentätigkeit sollte gut überlegt sein. Eine abgeschlossene Qualifikation als Meister, Ingenieur oder Techniker sind eine optimale Grundlage für die Sachverständigentätigkeit. Zudem sind langjährige Erfahrung im Beruf, ständige Auseinandersetzung mit der technischen und wirtschaftlichen Weiterentwicklung und regelmäßige Teilnahme an Weiterbildungen gefragt. Darüber hinaus muss ein Sachverständiger sich in Wort und Schrift allgemeinverständlich und überzeugend ausdrücken können. Zu den Pflichten eines öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen gehören Objektivität, Unparteilichkeit und Weisungsfreiheit. Hierauf muss er einen Eid leisten.

Wer die öffentliche Bestellung und Vereidigung beantragt, muss bei den bestellenden Institutionen ein Prüfungsverfahren durchlaufen, in dem die persönliche und fachliche Eignung zur Erstellung von Gutachten sowie der überdurchschnittliche Sachverstand und die Fähigkeiten im jeweiligen Fachgebiet geprüft wird. Zu den bestellenden Institutionen im Bereich der Sportboote gehören zum Beispiel die Industrie- und Handelskammern und die Handwerkskammern.

Neben der öffentlichen Bestellung als Qualitätsmerkmal gibt es auch noch Zertifikate beispielsweise des International Marine Certification Institute (IMCI), und Zusammenschlüsse wie den Verband der Sportboot- und Schiffbausachverständigen e.V. (VBS), der Sachverständige aus dem Bereich Sportboote und Schiffbau vereinigt. In der Praxis sind eine Vielzahl von öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen auch IMCI-zertifiziert und im VBS e.V. organisiert.

IMCI und der VBS gewährleisten durch Aufnahmeverfahren und Fortbildungen ähnlich hohe Qualitätsstandards wie die IHK und Handwerkskammern. Anderen Zusammenschlüssen von freien Sachverständigen dagegen genügt der Nachweis von Berufserfahrung zur Aufnahme oder gar ein dreitägiges Seminar zur Gutachterausbildung in Sachen Sportboote. Als Fazit kann man nur sagen: Augen auf bei der Sachverständigenwahl!