VERBAND DER SPORTBOOT- UND SCHIFFBAU-SACHVERSTÄNDIGEN

11.08.2016

Bootsmotoren unter der Lupe

Den Schiffsantrieb professionell begutachten zu lassen ist ein heißer Tipp für Bootskäufer. Hohe Reparaturkosten können drohen, wenn der Motor nur oberflächlich geprüft wird.

 

Ein verlässlicher Bootsmotor ist das A und O auf dem Wasser – auch auf Segelyachten. Viel kann von seiner Zuverlässigkeit abhängen. Doch wie können Kaufinteressenten wissen, in welchem Zustand die Antriebsanlage ist? Und können Käufer sich darauf verlassen, dass ein neuer Motor vollkommen in Ordnung ist, nur weil er neu ist? Im Zweifelsfall kann es eine gute Idee sein, das Antriebssystem von einem Sachverständigen begutachten zu lassen.

 

Es fängt damit an, dass die Antriebsanlage aus sehr viel mehr Teilen besteht als man zunächst denkt. Natürlich gehört der Motor selbst dazu, mit dem Kühlkreislauf, dem Lufteinlass und dem Abgassystem. Im Motorraum befinden sich aber auch noch das Wendegetriebe und die Dämpferplatte sowie die elastische oder homokinetische Kupplung mit Drucklager. Dazu kommen auch noch die elastischen Motorstützen und das Motorfundament unter dem Motor.

 

Aber die Antriebsanlage endet nicht im eigentlichen Motorraum. Dort beginnt die elektrische Verkabelung, die Anlasser und Lichtmaschine mit dem Ladesystem und den Batterien auf der einen Seite und dem Armaturenbrett und den Hebeln auf der anderen Seite verbindet. Außerdem gehören Kraftstoffleitungen und Tanks ebenso zum Antriebssystem dazu wie gegebenenfalls Welle und außerdem der oder die Propeller. Das alles gehört überprüft.

 

Die gesamte Anlage wird am besten bei einer ausführlichen Testfahrt unter die Lupe genommen. Wenn die Gegebenheiten vor Ort es ermöglichen, sollte der Motor nach dem Erwärmen eine Zeitlang unter Volllast gefahren werden. Den Test am Steg zu machen ist nicht ausreichend. Erstens entsprechen die Belastungen und das Kühlsystem nicht den realen Bedingungen und zweitens kann es bei großen Belastungen zu Schäden am Boot oder am Steg kommen.

 

Gutachter bzw. Sachverständige können bei Probefahrten mit ihren eigenen Messinstrumenten Messungen durchführen und Beobachtungen machen, die dem Laien ansonsten verschlossen bleiben. Das sind beispielsweise Messungen der Abgastemperatur an verschiedenen Stellen im Motor und Auspuff, aber auch Kontrollen am Wendegetriebe, am Drucklager und an den verschiedenen Dichtungen rund um den Motor.

 

Außerdem kann die Temperatur in den verschiedenen Zylindern gemessen werden, der Druck an den Einspritzdüsen, die Temperaturen an verschiedenen Stellen im Kühlkreislauf, sowie Öldruck und Öltemperatur. Ein Kompressionstest an den Zylindern, um Lecks aufzuspüren, ist eigentlich nur nötig, wenn bei der Begutachtung des Motors Unstimmigkeiten aufgetreten sind. Dann ist es aber auch empfehlenswert, zusätzlich das Motorinnere mit einem Endoskop zu beurteilen.

 

Oft fragen Kunden nach einer Schmierölanalyse. Die dabei ermittelten Anteile von Metallen und chemischen Verbindungen im Öl können im Prinzip Hinweise auf mögliche Probleme mit dem Motor geben. Sachverständige können das Öl aus Motor und/oder Wendegetriebe absaugen, damit der Interessent eine Probe an ein Speziallabor schicken kann. Allerdings sind die Proben oft nicht repräsentativ, weil die Wartungsgeschichte und die Belastung des Motors seit dem letzten Ölwechsel nicht bekannt sind.

 

Auch wird oft gerade vor der Begutachtung das Öl gewechselt. Daher hat eine Schmierölanalyse erfahrungsgemäß oft nur eine sehr beschränkte Aussagekraft. Zudem dauert es zwischen wenigen Tagen und mehr als zwei Wochen, bis das Labor Ergebnisse liefert. Daher lohnt sich so eine Analyse eigentlich nur, wenn man fast 100 Prozent sicher ist, das die Probe für die Analyse ok ist. In jedem Fall ist es jedoch eine gute Idee, sich mit Fragen rund um den Motor an einen Sachverständigen zu wenden.