VERBAND DER SPORTBOOT- UND SCHIFFBAU-SACHVERSTÄNDIGEN

16.12.2017

FAQ Osmose - Erkennen, behandeln, vorbeugen

Blasen im Unterwasserschiff? Das könnte Osmose sein. Wie sie das überprüfen und was sie tun müssen, erfahren sie hier

Was ist Osmose?

Osmose bedeutet im Fall von Booten, dass Wasserteilchen durch das Gelcoat in das Laminat wandern. Jedes Polyesterlaminat nimmt Wasserteilchen auf. Im Laminat gibt es winzige Hohlräume, in denen sich Lösemittel- und Harzreste befinden. Damit reagiert das Wasser zu einer Säure. Diese Säure greift bestimmte Harzarten sehr stark an, zerstört sie und führt außerdem zu mehr Osmose.

Warum gibt es Osmose?

Osmose nennt man den gerichteten Fluss molekularer Teilchen durch eine halbdurchlässige Membran mit der Neigung, die Konzentrationsunterschiede gelöster Teilchen auf beiden Seiten auszugleichen. In der Natur ist Osmose dafür verantwortlich, dass reife Kirschen oder Tomaten im Regen platzen können. Am Boot sorgt sie dafür, dass immer mehr Wasser in die säurehaltigen Bläschen im Rumpf wandert.

Wie erkenne ich Osmose?

Osmose ist zweifelsfrei am besten an Bläschen im Gelcoat zu erkennen. Der noch nasse Rumpf nach dem Aufslippen oder Kranen im Herbst ist besonders leicht zu untersuchen – nicht nur, weil er dann an Land steht, sondern auch weil sich die Blasen auf dem nassen Rumpf besonders gut abzeichnen. Das Licht sollte als Streiflicht auf den Rumpf fallen. Zur Not hilft dabei ein Baustrahler oder eine Taschenlampe.

Ist jedes Bläschen ein Hinweis auf Osmose?

Nein, es gibt viele Ursachen für Blasen am Unterwasserschiff. Es kann zum Beispiel sein, dass sich Farbschichten voneinander lösen, weil sie nicht aneinander haften. Auch dafür gibt es wieder viele Ursachen. Unter anderem kann es sein, dass die verwendeten Farbsysteme nicht zu einander passen. Oder es kann sein, dass die Verarbeitungshinweise nicht eingehalten worden sind.

Wie unterscheide ich Osmosebläschen von anderen Bläschen?

Das ist leicht festzustellen, indem man versucht, die Blasen mit einem scharfen Messer seitlich anzustechen. Wenn sich unter der Blase Farbe befindet, lösen sich Farbschichten voneinander. Wenn sich unter der Blase Gelcoat befindet, löst sich Farbe vom Gelcoat. Wenn unter der Blase Laminat zu sehen ist, handelt es sich wahrscheinlich um Osmose. Ein zweites Zeichen für Osmose ist ein Geruch nach Säure.

Wo finde ich Hilfe bei der Diagnose?

Am besten bei einem öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen, etwa über den Verband der Sportboot- und Schiffbau-Sachverständigen (VBS). Eine Feuchtigkeitsmessung, wie manche Werften sie anbieten, ist alleine kein ausreichendes Mittel. Zwar nehmen alle Laminate Wasser auf, aber nicht alle Harze werden von den Wassereinlagerungen gleichermaßen angegriffen.

Was muss ich machen, wenn mein Schiff betroffen ist?

Das Gelcoat und die zerstörten Teile des Laminats müssen vollständig entfernt werden. Das geht aus Gründen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes und wegen der Entsorgung im Prinzip nur in einem Fachbetrieb. Dann wird der Rumpf getrocknet, das Laminat neu aufgebaut auf die alte Stärke und zum Schluss eine Schutzschicht aus Epoxidharz aufgetragen, die verhindert, dass Wasser ins Laminat dringen kann.

Was ist der Unterschied zwischen Sandstrahlen und Gelcoathobel?

Beides hat Vor- und Nachteile. Sandstrahlen trifft vor allem die geschädigten Rumpfteile, erzeugt aber eine ungleichmäßige Oberfläche und erfordert daher viel Spachtel beim  Aufbau. Der Gelcoathobel bzw. die Fräse dagegen entfernt sowohl zerstörtes als auch intaktes Laminat, erhält aber die Rumpfform weitgehend. Sandstrahlen ist kostengünstiger als Fräsen.

Wie kann ich der Osmose an meinem Schiff vorbeugen?

Zur Vorbeugung wird eine Schutzschicht direkt auf das angeschliffene Gelcoat aufgetragen. Das Rumpflaminat muss dazu vollkommen trocken sein. Wenn Absaugung und richtige Verarbeitung gewährleistet werden können, geht das auch in Eigenleistung. Auch die gegenüber Orthophthalsäureharzen beständigeren Isophthalsäureharze profitieren von einer Schutzschicht aus Epoxidharz.

Sachverständigenrat auf der boot Düsseldorf

Jedes Jahr im Januar gibt es eine Menge Tipps und Informationen rund um den Bootskauf und das eigene Boot. Besucherinnen und Besucher der boot Düsseldorf können sich dann am Stand A 17 in der Halle 9 während der gesamten Messelaufzeit direkt von einem qualifizierten Sachverständigen beraten lassen. Neben einer Reihe von Informationsmaterial können Sie sich auf der Messe direkt von einem Sachverständigen fachgerecht beraten lassen und wertvolle Tipps für den richtigen Umgang mit Ihrem Boot einholen. Auch der erfahrene Do-it-yourself-Handwerker kann sicherlich noch den ein oder anderen hilfreichen Ratschlag mitnehmen. Über den VBS können Kunden auf ein flächendeckendes Netz an qualifizierten und kompetenten Sachverständigen zurückgreifen. Die Organisation besteht aus rund 40 Sachverständigen, die ihre Sachkunde vorab nachweisen müssen und die es sich zum Ziel gemacht haben, diese kontinuierlich durch Fortbildungsmaßnahmen zu pflegen und zu erweitern. Nähere Informationen zu dem VBS-Beratungsangebot erhalten Sie von der Geschäftsstelle und  zu dem Messeangebot der boot unter www.boot.de .