Verband der Sportboot- und Schiffbau-Sachverständigen

Gutachter an Bord statt Risikokauf

 

Ankaufgutachten machen sich in der Regel bezahlt. In vielen Fällen schlagen die Reparaturkosten für das Boot wesentlich höher zu Buche als die Gutachterkosten.

 

Die Wassersportsaison beginnt, manch einer nutzt jetzt die Gelegenheit, sich den Traum vom eigenen Boot zu erfüllen. Gutachter und Sachverständige bieten potenziellen Käufern Ankaufgutachten an. Manche Kunden sehen darin vor allem zusätzliche Kosten. Doch um die Sicherheit zu gewährleisten, dass das ausgesuchte Boot in einem guten Zustand ist, und um böse Überraschungen auszuschließen, ist ein Ankaufgutachten ratsam – und kann vor viel höheren möglichen Folgekosten schützen.

Für ein Ankaufgutachten untersucht der Sachverständige das Boot in seiner Struktur und technischen Ausstattung und auf gegebenenfalls nicht gut reparierte Unfallschäden. In erster Linie geht es dabei darum, gegebenenfalls vorhandene Mängel aufzudecken, die dem Verkäufer unter Umständen gar nicht bewusst sind. Ein Gutachten eines unabhängigen Sachverständigen ist somit auch eine umfassende Dokumentation des gegenwärtigen Objektzustandes.

Dazu kommt noch, dass Bootskäufer beim Ankauf eine Untersuchungspflicht haben. Ohne Gutachten gibt es kaum eine Chance vor Gericht, wenn verborgene Mängel auftreten, für die der Verkäufer nicht aufkommen will. Viele Praxisfälle verschiedener Gutachter bestätigen die Sinnhaftigkeit von Ankaufgutachten. Anhand einiger anonymisierter tatsächlich erfolgter Aufträge lässt sich die fachkompetente Unterstützung verdeutlichen:

Motoryacht Altena 48, Baujahr 2005:

Ein Kunde wollte eine Yacht für eine längere Reise, kannte sich aber nicht gut aus. Der Preis sollte knapp über 200.000 Euro liegen. Das Gutachten ergab eine lange Mängelliste. In Auszügen: Die CE-Dokumente fehlten, fast alle Batterien mussten erneuert werden und der Plotter war defekt. Die Kraft der Stabilisatoren wurde mangelhaft auf den Rumpf übertragen, in fast allen Lukendeckeln war Holz verrottet und die Luken an Deck und einige Flächen am Rumpf waren stark verrostet.

Ohne Demontage waren die Reparaturkosten nicht sicher einzuschätzen, aber sie hätten laut Gutachten voraussichtlich mehrere 10.000 Euro betragen. Damit hätten die Reparaturkosten weit über dem Betrag gelegen, auf den die beiden Parteien sich im Kaufvertrag geeinigt hatten. Der Kunde hat sich daraufhin entschieden, die Yacht nicht zu kaufen und sich eine Menge Ärger erspart. Die Kosten für das Gutachten lagen bei knapp über 2000 Euro für zwei Tage Arbeit.

Segelyacht Dehler Optima 98AK, Baujahr 1978:

Das Boot wäre die erste Segelyacht eines Kunden gewesen, der sich technisch nicht gut auskannte. Das Gutachten ergab dringenden Reparaturbedarf: Saildrive, Elektrik, mehrere Stellen des Laminats, die Verstagung und die Befestigung des Kiels waren erneuerungsbedürftig. Außerdem war ein Austausch der defekten Toilette, der Bilgepumpe und der Heizung nötig. Weitere Mängel: Überhitzter Motor, defekte Lichtmaschine und Ruder.

Zu dem annoncierten Verkaufspreis von 22.000 Euro wären zusätzliche Reparaturkosten in Höhe von rund 10.000 Euro gekommen. Die Kosten für den Gutachter in Höhe von 640 Euro waren dagegen gering. Der Kauf kam nicht zustande.

Auch bei relativ neuen Booten oder Neubauten können Ankaufgutachten sinnvoll sein.

Zwei Jahre alte Beneteau:

Hier war das Interieur stark durch Salz in Mitleidenschaft gezogen worden, der Motor hatte viele Roststellen, und das ganze Schiff musste gut gesäubert werden. Der Ankaufpreis lag bei 104.000 Euro. Der Gutachter fand keine wesentlichen Mängel, was den Kunden überzeugte, dass die Yacht in der Substanz in Ordnung war, so dass er sie kaufte.

Neues ONJ Werkboot, kontrolliert vor der Auslieferung:

Die Begutachtung ergab unter anderem folgende Mängel: an einer Stelle wurde mangelhaftes Teakholz verbaut, der Wasserablauf in der Ankerlast funktionierte nicht und das Gelcoat war an einigen Stellen beschädigt. Am Auspuff im Spiegel gab es ein Leck, die Motorbedienung war mangelhaft und die Badeleiter zu kurz. Aufgrund des Gutachtens besserte die Werft nach. Die Kosten für das Gutachten betrugen 645 Euro.

Diese Praxisbeispiele sind leider keine Seltenheiten, sondern sie spiegeln den Alltag beim Bootskauf wieder. Die Frage nach Sinn und Nutzen eines Ankaufgutachtens muss letztendlich jeder Kunde für sich selbst beantworten. Manch einer wird verborgene Mängel selbst erkennen können. Wer sich aber nicht sicher ist, für den rechnen sich sie Kosten für den Sachverständigen. Wenn die Begutachtung positiv ausfällt, kann der Traum vom eigenen Boot wahr werden.