Verband der Sportboot- und Schiffbau-Sachverständigen

Was tun, wenn der Diesel nicht anspringt?

Der Anlasser dreht, aber der Motor versagt. Natürlich genau dann, wenn man ihn braucht. Mit diesen Tipps kommen sie trotzdem noch in den Hafen.

Dass der Motor nicht anspringt, ist eins der häufigsten Probleme an Bord. Um in dieser Situation nicht in Gefahr zu geraten, sind drei Dinge zur Vorbereitung wichtig. Erstens eine gewisse Vertrautheit mit der Maschine. Zweitens eine gut ausgestattete Werkzeugkiste. Drittens ein Vorrat von passenden Ersatzteilen.

Das Wichtigste in der unmittelbaren Situation ist, nicht zu viele Startversuche zu unternehmen. Wenn der Anlasser länger als 10 oder 15 Sekunden dreht, entlädt das die Starterbatterie sehr schnell. Unter Umständen springt der Motor danach auch dann nicht mehr an, wenn die eigentliche Ursache behoben worden ist. Auch kann Wasser aus dem Auspuffsystem in den Motor geraten, da die Kühlwasserpumpe Seewasser in das Abgassystem pumpt.Nach drei bis fünf Versuchen sollte darum erst einmal Schluss sein.

Wenn der Anlasser dreht, aber der Motor nicht startet, dann gibt es entweder ein Problem mit der Diesel- oder mit der Luftzufuhr. Oft wird übersehen, dass ein Motor große Mengen an Frischluft braucht. Am besten wird der Luftfilter ausgeklopft – oder ausgewischt, wenn es sich um ein Metallgehäuse handelt.

Danach sollte überprüft werden, ob die Zuluft für den Motor möglicherweise blockiert ist. Wichtig: Auch ein blockierter Auspuff behindert den Luftstrom und kann den Motor am Starten hindern.

Wenn es nicht an der Luftzufuhr liegt, dann an der Dieselzufuhr. Das häufigste Problem ist ganz einfach, dass der Tank leer ist. Verlassen Sie sich bei der Kontrolle nicht auf die Tankanzeige, sondern verwenden Sie einen Peilstab, wenn möglich. Sie sollten immer einen vollen Ersatzkanister an Bord haben, aus dem Sie jetzt nachtanken können. Sollte der Motor bereits Luft gezogen haben, muss er danach entlüftet werden.

Die Vorgehensweise beim Entlüften unterscheidet sich je nach Aufbau der Maschine. Viele Motoren verfügen heute über einen Rücklauf, der über die Ventile in den Tank führt. In diesem Fall reicht es, die Förderpumpe 30 bis 50 Mal von Hand zu betätigen. Dann ist so viel Kraftstoff nachgeflossen, dass der Motor entlüftet ist.

Motoren ohne einen solchen Rücklauf haben Entlüftungsschrauben. Sie sitzen entweder am Kraftstofffilter oder an der Einspritzpumpe. Diese kleinen Entlüftungsschrauben werden nicht abgenommen, sondern nur soweit gelöst, dass beim Pumpen an der Förderpumpe die Luft entweichen kann. Wenn aus den Entlüftungsschrauben blasenfreier Kraftstoff austritt, ist der Motor entlüftet. Danach werden die Hochdruckleitungen an den Einspritzdüsen entlüftet. Rund um die Entlüftungsschrauben und Leitungen werden vorher Lappen ausgelegt, um den austretenden Diesel aufzufangen.

Wenn der Tank aber voll ist, könnte das Problem darin bestehen, dass gerade nach Wartungsarbeiten oft vergessen wird, die Ventile wieder zu öffnen. Prüfen Sie die Kraftstoffhähne am Tank und am Motor. Eine ähnliche mögliche Fehlerquelle ist das elektromagnetische Kraftstoffventil. Mit einem Spannungsmessgerät kann man prüfen, ob es sich öffnet, wenn der Anlasser betätigt wird.

Eine weitere mögliche Fehlerquelle ist ein verstopfter Kraftstofffilter. Gerade bei älteren Booten führt Schlamm im Tank oft zu Problemen. Es empfiehlt sich, immer einen Ersatzfilter mitzuführen. Anders als der Ölfilter wird der Dieselfilter nicht warm. Es besteht also keine Verbrennungsgefahr. Allerdings ist der Kraftstofffilter ähnlich wie der Ölfilter vollgelaufen und sollte entsprechend vorsichtig behandelt werden, damit der Diesel nicht in die Bilge läuft.

Gute Dienste leistet dabei eine alte Plastiktüte, die über den Filter gestülpt und am Motorblock festgehalten wird. So fällt der Filter in die Tüte und kann später fachgerecht entsorgt werden, während die Bilge so weit wie möglich geschützt ist. Alternativ kann auch eine Plastikdose helfen. Nach der Demontage wird die Dichtfläche gereinigt. Der Dichtring des neuen Filters wird mit Diesel benetzt. Dann wird der neuen Filter handfest angezogen. Besser und einfacher ist aber ein umschaltbarer Filter.

Nach dem Wechseln des Kraftstofffilters muss der Motor ebenso entlüftet werden.

Schließlich können Förder- oder Einspritzpumpe defekt sein. In diesem Fall kann nur ein Mechaniker helfen. Aber auch, wenn das Problem mit Bordmitteln behoben werden konnte und der Motor wieder läuft, ist es ratsam, im Hafen einen Mechaniker zu Rate zu ziehen und der Ursache auf den Grund zu gehen. Sollte das Problem auf einer Probefahrt aufgetreten sein, kann ein Sachverständiger helfen, den Motor und den Rest der Yacht zu begutachten.