VERBAND DER SPORTBOOT- UND SCHIFFBAU-SACHVERSTÄNDIGEN

13.11.2017

Yachtelektrik im Brennpunkt

Es gibt immer mehr Geräte an Bord – damit steigen die Ansprüche an die Elektroinstallation. Beim Nachrüsten oder beim Gebrauchtbootskauf gibt es darum einiges zu beachten.

Die Zeiten, als außer den Positionslampen kaum etwas an der Verbraucherbatterie hing, sind lange vorbei. UKW-Funk, GPS-Empfänger, Kartenplotter sind im Prinzip Standard an Bord. Dazu kommen immer mehr Geräte für den angenehmen Alltag. Natürlich gibt es heute in der Nasszelle eine 220-V-Steckdose für den Fön, wenn es eine Dusche an Bord gibt. Und natürlich erwartet die Mannschaft, an Bord ihre Tablets und Smartphones laden zu können, wie sie es von zu Hause gewohnt ist.

Neue Yachten sind auf die Ansprüche des 21. Jahrhunderts eingerichtet und entsprechend ausgerüstet. Ganz anders sieht es bei älteren Booten aus. Das gilt zum Beispiel, wenn man seine schon vorhandene Yacht nachrüsten möchte. Mit etwas Glück hat man es mit einem Boot zu tun, auf dem Kabelkanäle verwendet worden sind. Das erleichtert dann zumindest das Verlegen neuer Leitungen etwas. Es entbindet den Eigner aber nicht von der Pflicht, sich über seine Fähigkeiten hinsichtlich einer fachgerechten Installation Rechenschaft abzulegen.

Noch komplizierter wird es, wenn man sich für ein gebrauchtes Boot interessiert, dessen Installation möglicherweise schon durch mehrere Hände gegangen ist. Wiederholtes Nachrüsten von Ausrüstungsgegenständen bringt in vielen Fällen früher oder später ein Gewirr von Kabeln hervor, die weder einheitlich beschriftet noch sauber dokumentiert sind, das weder Urheber noch spätere Eigner durchblicken können. Das ist nicht nur anstrengend, sondern es kann auch sehr gefährlich werden.

Konkret bedeutet das, dass schon ein falsch ausgewählter Leitungsquerschnitt oder Sicherungsnennwert zum Brand an Bord führen kann. Das Risiko ist an Bord sogar vergleichsweise hoch, weil im Gleichspannungsnetz höhere Ströme fließen, als man es von zu Hause her kennt. Laut eigenen Statistiken des Yachtversicherers Pantaenius ist die Bordelektrik Brandursache Nummer eins. Deswegen ist es ratsam, vor dem Nachrüsten oder dem Gebrauchtbootkauf einen Fachmann zu Rate zu ziehen.

Gerade bei Arbeiten an Anlagen und Geräten, die mit Energie in Zusammenhang stehen, sind Fachkenntnisse und Kenntnisse der Besonderheiten wichtig. Der Ausführende muss die Risiken und Gefahren seines Handels einschätzen können. Beispiele für verbreitete Fehler in der Bordinstallation können sein: Kabel und Leitungen werden hinsichtlich der Querschnitte und Längen falsch dimensioniert. Oder es werden leistungsstarke Verbraucher angehäuft, welche die gesamte Anlage überlasten.

Auch ein allzu sorgloser Umgang mit Akkus – insbesondere mit Lithium-Ionen-Akkus –, beispielsweise durch unbeaufsichtigtes Dauerladen, kann sehr gefährlich werden. Bei Lithium-Ionen-Akkus können sich Tiefentladung, Überladung, falsche Lagerung, Sturz oder Erschütterung schnell negativ auswirken. Die Akkus können sich dann aufblähen und zerplatzen. Dies ist fast immer mit Funken und Feuer verbunden. Die dabei freiwerdende Energie ist kaum zu beherrschen.

Manche Mängel in der Elektroinstallation an Bord fallen durch ihre Folgen auf. Schmorstellen – meist an Verbindungs- oder Klemmstellen – infolge falscher Verarbeitung, fehlerhafter Dimensionierung und/oder falscher Materialauswahl sind irgendwann sichtbar oder auch hörbar. Langsam heiß werdende oder dauernd überlastete Leitungsverbindungen fallen unter Umständen durch optische Veränderungen auf. Das Gleiche gilt für Steckkontakte. Batterien und Akkus können ihre Form verändern und langsam „dicke Backen“ bekommen. Doch nicht alle Mängel sind so zu erkennen.

Fehler an der Elektrik, die schwere Folgeschäden am Boot verursachen können, sind nur zu vermeiden, wenn die Anlagen fachgerecht geplant, errichtet und regelmäßig kontrolliert werden. Dazu gehört zum Beispiel auch, Klemmen sauber und sicher kontaktiert zu halten. Zur Prüfung der eigenen Anlage oder beim Gebrauchtbootskauf kann es empfehlenswert sein, einen Sachverständigen hinzuzuziehen. Das gilt auch, wenn tatsächlich einmal ein Schadensfall eintreten sollte.