Verband der Sportboot- und Schiffbau-Sachverständigen

Tipps zum Umrüsten von Booten auf Elektromotor

Wie beim Auto wird der Elektromotor auch bei Booten immer beliebter. Das liegt unter anderem daran, dass es immer mehr Revierbeschränkungen für Verbrenner gibt. Doch auch unabhängig von diesen Regeln wächst die Nachfrage nach einem CO2-neutralen Antrieb. Außerdem führen Effekte aus der Autoindustrie dazu, dass Leistung und Reichweite des Elektromotors ständig steigen. Der Preisunterschied zum Verbrenner hingegen wird kleiner. Darum fragen sich immer mehr Eigner, ob eine Umrüstung ihrer Yacht auf einen Elektromotor sinnvoll sein könnte.

Was bei einem Elektromotor zu bedenken ist

Die Antwort auf diese Frage ist nicht leicht. Sie hängt unter anderem davon ab, wie das jeweilige Boot genutzt wird und welche Erwartungen an Leistung und Reichweite bestehen. Doch es lassen sich einige wiederkehrende Themen umreißen, die für alle gelten. In diesem Artikel sind die häufigsten entscheidenden Faktoren zusammengefasst. Ein erster wichtiger Faktor ist die Geschwindigkeit. Um ein Boot schnell durch das Wasser zu bewegen oder einen Rumpf auf Gleitgeschwindigkeit zu bringen, ist exponentiell mehr Leistung erforderlich als für langsame Fahrt.

Gleiter brauchen mehr Leistung als Verdränger

Um eine Yacht auf eine niedrige Geschwindigkeit zu bringen und diese zu halten, ist relativ wenig Energie erforderlich. Viele Boote sind nur für diese langsamen Geschwindigkeiten ausgelegt. Man bezeichnet sie als "Verdränger". Das gilt für die meisten größeren Segelboote und Motorboote. "Gleiter" hingegen haben eine andere Rumpfform. Sie schieben sich bei höherer Geschwindigkeit auf ihre eigene Bugwelle und gleiten über die Wasseroberfläche. Dafür brauchen sie vergleichsweise viel Energie. Deshalb sieht man oft große Außenbordmotoren an kleinen Booten.

Batterien als Energiespeicher setzen Grenzen

Der nächste wichtige Faktor für die Umrüstung auf Elektromotor ist die Energiespeicherung. Sie hängt eng mit der gewünschten Geschwindigkeit zusammen. Selbst die besten und teuersten heute verfügbaren Batterien enthalten im Vergleich zu fossilen Brennstoffen wie Benzin und Diesel relativ wenig Energie. Daher es immer noch schwierig und teuer, elektrische Gleiter zu bauen. Technisch ist es möglich, aber die Reichweite steht noch nicht in einem wirtschaftlichen Verhältnis zu den Kosten. Im weiteren Verlauf dieses Artikels wird es daher um Verdränger gehen.

Elektromotor in Marschfahrt betreiben

Allerdings gilt auch für Verdränger, dass höhere Geschwindigkeiten exponentiell mehr Energie brauchen. Die Fahrt mit Rumpfgeschwindigkeit etwa erfordert sehr viel Energie. Ein Boot mit Elektromotor hätte Schwierigkeiten, genügend Batteriekapazität für eine längere Fahrt mit Rumpfgeschwindigkeit an Bord zu haben. Aber auch bei benzin- und dieselbetriebenen Booten ist es nicht nachhaltig, ständig mit Rumpfgeschwindigkeit zu fahren. Deshalb ist es sinnvoll, zwischen Rumpfgeschwindigkeit und Marschfahrt zu unterscheiden und letztere zu betrachten.

Wie Betriebsweise und Reichweite zusammenhängen

Der nächste Faktor bei der Umrüstung ist die Betriebsweise des Boots. Sie kann darüber entscheiden, wie die notwendige Energie an Bord gespeichert und erneuert wird. Zwei Eigner können identische Boote haben. Aber vielleicht fährt der eine kurze Strecken auf geschützten Gewässern mit Geschwindigkeitsbegrenzung, während der andere auf See lange Strecken ohne Beschränkung zurücklegt. Es kann sein, dass die Betrachtung der nötigen Reichweite zu dem Ergebnis führt, dass ein Elektroantrieb nicht zu realisieren ist. Sollte das doch der Fall sein, ist die Frage der Energieversorgung zu beachten. Der eine hat vielleicht Zugang zu Landstrom, während der andere Solar- oder Windenergie nutzt, um die Batterien aufzuladen. Das kann darüber entscheiden, welcher Batterietyp geeignet ist.

Welche Batterietypen als Energiespeicher in Frage kommen

Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, wenn es um Batterien geht. Jede hat ihre eigenen Vor- und Nachteile. Blei-Säure-Batterien sind einfache, zuverlässige Geräte, die relativ billig und praktisch wartungsfrei sind. Allerdings sind sie im Vergleich zu Lithiumbatterien gleicher Kapazität groß und schwer. Außerdem vertragen sie es nicht, nach dem Gebrauch leer stehen gelassen zu werden. Qualitativ hochwertige Blei-Säure-Batterien können bei guter Behandlung bis zu 600 oder 700 Lade- und Entladezyklen durchlaufen. Sie halten in der Regel 6 bis 8 Jahre.

Lithium - Neue Generation der Energiespeicher

Lithium-Batterien gibt es noch nicht so lange. Sie ermöglichen extrem tiefe Entladungen. Sie sind teurer als Blei-Säure-Batterien, jedoch auch kleiner und leichter. Es macht ihnen nichts aus, wenn sie nach dem Gebrauch fast leer sind. Qualitativ hochwertige Lithium-Batterien können bis zu 3.000 Lade- und Entladezyklen vertragen. Sie halten in der Regel 8 bis 15 Jahre, unabhängig von der Anzahl der Zyklen, die sie durchlaufen haben. Die endgültige Lebensdauer von Lithium-Batterien ist noch nicht genau bekannt. Zu bedenken ist außerdem, dass die Förderung von Lithium Umwelt und Bevölkerung in den Fördergebieten stark belastet.

Blei-Säure-Batterien können auch sinnvoll sein

Um den Außenborder eines Beiboots zu ersetzen, ist es nicht ratsam, auf Blei-Säure-Batterien zu setzen. Beim Innenborder einer schweren Yacht hingegen kann die Entscheidung anders ausfallen. Aber auch die Lademöglichkeiten spielen eine Rolle. Wenn die Yacht in der Regel am Landstrom hängt, können Blei-Säure-Batterien problemlos verwendet werden. Wenn ein großer Teil des Ladestroms hingegen direkt aus erneuerbaren Energien stammt, gibt es beim Laden von Blei-Säure-Batterien nennenswerte Verluste. In diesem Fall könnten Lithium-Batterien die bessere Wahl sein.


Sachverständige hinzuziehen

Angesichts so vieler Variablen ist es unmöglich, allgemeine Aussagen über das Umrüsten von Booten auf Elektromotor zu treffen. Die Art der Nutzung spielt ebenso eine Rolle wie die Anforderungen an Geschwindigkeit und Reichweite sowie das Budget des Eigners. Welche Möglichkeiten es im Einzelfall gibt und was die beste Wahl ist, kann ein Sachverständiger am besten beurteilen. Auf der Seite des Verbands der Sportboot-und Schiffbausachverständigen e.V. (VBS) finden Sie anerkannte Experten auch in Ihrer Nähe.

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